Halbjahresbericht Januar-Juni 2018

Es ist lange her seit meinem letzten Eintrag auf der Webseite. Das letzte halbe Jahr ist vorbei wie im Flug und ich fand nie wirklich die Zeit um ausführlich über die Wettkämpfe zu berichten, wie ich es sonst immer tue. Doch nun möchte ich Euch die erste Hälfe des Jahres 2018 doch noch schildern, ich versuche mich kurz und spannend zu halten. Ich wünsche Euch viel Spass beim Lesen :)

Ich hatte einen sehr guten Trainingsaufbau über den letzten Winter und habe intensiver mit meinem Coach zusammengearbeitet. Dazu kam noch, dass wir in Biel unser eigenes Trainingszentrum für die Schweizer Nationalmannschaft bekamen. Dort können wir nun an spezifisch für uns geschraubten Wettkampfboulder trainieren und genau die Art von Kletterstyl üben, die sonst in den öffentlichen Kletterhallen selten zu finden sind. So fühlte ich mich besser vorbereitet den je und war parat für die neue Saison.

Wie jedes Jahr beginne ich die Saison mit kleineren Wettkämpfen, sozusagen als erste Formtests. Zum Start fand am 3. März das Volumenbuster in Pratteln statt. Dies ist ein Plausch-Wettkampf nur mit Volumen und in der Quali musste man von 30 Boulder so viele wie möglich klettern. Zusammen mit meinen Teamkollegen zog ich in den Final ein, also ein guter erster Vergleich. Am letzten Boulder konnte ich als einziger Top klettern und den Wettkampf für mich entscheiden. Ich war sehr zufrieden mit meiner Leistung und hatte die Bestätigung für einen guten Aufbau.

Zwei Wochen später, fuhren wir mit dem Team ans Studioblocmaster in Pfungstadt DE. Auch dies war einmal ein Plausch-Wettkampf, ist aber mittlerweile zu einem World Cup Testwettkampf geworden. Viele starke Athleten waren am Start um sich das erste Mal untereinander zu messen. Nach einer 6 stündigen Quali war ich fix und fertig, aber mit 16 von 20 Tops der schwersten Boulder ziemlich zufrieden. Leider reichte es nicht ganz für den Halbfinal, ich erreichte den 35. Schlussrang. Für mich ein weiteres gutes Resultat, jedoch musste ich noch etwas an meinem Selbstvertrauen arbeiten. Ich ging am Anfang etwas verhalten in die Quali und merkte erst gegen den Schluss was Alles möglich war und so wurde es etwas eng mit der Zeit. Der Wettkampf gab mir das Vertrauen, dass ich auch International dabei bin und mit noch etwas Feintuning mehr möglich ist. Am folgenden Wochenende 24.03.2018 war dann der erste Swiss Cup der Saison in Versoix. Die Quali verlief nach Plan und ich zog auf Platz 3 in den Final ein. Ich konnte alle 4 Finalboulder Top klettern, zusammen mit zwei meiner Teamkollegen. Leider hatte ich mit 11 Versuchen am längsten gebraucht und blieb auf dem 3. Rang. Für Rang 2 hätte ich 2 Versuche weniger und für den Sieg 4 weniger benötigt. Es war eine knappe Angelegenheit und ich fühlte mich gut beim Klettern. Nun hiess es noch etwas an der Effizienz arbeiten bis zum ersten World Cup in Meiringen.

Am Montag nach dem Swiss Cup rückte ich noch für 2 Wochen nach Andermatt in den WK ein. Es war eine gute Gelegenheit kurz ein wenig von den Wettkämpfen abzuschalten und zusammen mit einer guten Gruppe zwei Wochen am Fels im Tessin zu klettern. Nebst dem Aufbau im Winter und den ersten Wettkämpfen war ich auch immer noch in jeder freien Minute am Bauen. Mein Trainingsraum war leider nicht wie geplant bis Ende 2017 fertig geworden, es blieb dann doch weniger Zeit nebst Training und Job als ich gedacht hatte. Im April wurde ich dann fertig und so konnte ich doch noch ein paar erste Trainings dort absolvieren. Richtig zum Einsatz wird er jetzt für Wettkampftrainings kommen und dann für den nächsten Aufbau im Herbst. Am 19. Mai hatte ich dann auch eine offizielle Einweihung meiner Boulder/Training-Wand. In diesem Sinne möchte ich mich hier nochmals bei allen Helfern und Sponsoren herzlich bedanken. Es ist ein Traum der für mich in Erfüllung gegangen ist und mir sicher neue Möglichkeiten zur Optimierung des Trainings bringt. Ich geniesse jede Minute, die ich dort trainiere und bereue keine Sekunde so viel Arbeit auf mich genommen zu haben!

Aber nun zurück zu den Wettkämpfen…Nach dem WK blieb mir noch eine Woche bis zum ersten World Cup um mich wieder an die Plastikgriffe zu gewöhnen. Ich fühlte mich gut vorbereitet und freute mich sehr auf die kommenden World Cups. Die ersten beiden Boulder konnte ich gleich beide im ersten Versuch klettern. Zuerst war ich noch etwas nervös, das legte sich aber nach dem guten Start. Es ist immer wertvoll für den mentalen Bereich in den ersten Boulder gut zu klettern. Danach wurde es aber richtig schwer. Ich konnte keinen der nächsten drei Top klettern, holte aber noch eine Zone. Ich war ziemlich zufrieden mit meiner Leistung, nur ganz kleine Fehler ärgerten mich. Als ich am Schluss das Resultat sah und merkte, dass ich nur eine Zone mehr benötigt hätte, ärgerte es mich doch schon sehr. Trotzdem wurde es ein gutes Resultat. Mit dem 29. Rang am ersten World Cup, holte ich mir wichtige Punkte und ich erfüllte gleich die Selektionen für weitere Wettkämpfe wie Moskau eine Woche später.

4 Tage später waren wir also auf dem Weg nach Russland für die zweite Station. Während dem Aufwärmen fühlte ich mich nicht ganz so frisch aber die Motivation übermannte das Gefühl. Die ersten beiden Boulder waren ziemlich komplex und alles musste genau richtig gemacht werden. Ich brauchte bei beiden einige Zeit bis ich die richtige Lösung fand, konnte aber beide Top klettern. Ich spürte, dass die Spannung ein wenig fehlte. Jedoch konnte ich in den ersten beiden Boulder richtig kämpfen, was mir auch zu den Tops verhalf. Jedoch konnte ich mich in den 5 Minuten Pause nicht mehr ganz erholen und in den nächsten beiden Boulder sah ich eher schwach aus. Den letzten Boulder konnte ich nach einigen Versuchen dann auch Top klettern. 3 Tops & 3 Zonen waren jedoch 1 Top hinter dem Halbfinale und ich belegte den 45. Schlussrang. Mit der Rangierung und dem Wettkampfverlauf war ich nicht zufrieden. Jedoch hatte ich alles aus mir rausgeholt und musste eingestehen, dass an diesem Tag einfach nicht viel mehr möglich gewesen wäre. Wir blieben noch einen Tag länger in Moskau um ein wenig die Stadt anzusehen. So versuchte ich den Wettkampf schnell zu vergessen und nur das gelernte und Positive mitzunehmen.

Danach war für mich einen Monat Zeit, um wieder mehr zu trainieren und die Fehler der letzten Wettkämpfe zu analysieren. Für die beiden Wettkämpfe in China, die in dieser Zeit stattfanden, hatte ich mich nicht qualifiziert. Wirklich enttäuscht war ich nicht darüber, denn China ist sehr anstrengend mit Essen, Training und der ganzen Reiserei über 2 Wochen. So konnte ich mich noch einmal gut auf die Schweizermeisterschaft und die grosse Reise Japan und USA, zwei World Cups innerhalb von 2 Wochen vorbereiten.

So stand als erstes die Schweizermeisterschaft Bouldern in Pratteln an. Es war eine der schwersten Qualifikation, die ich an einem Schweizer Wettkampf erlebt hatte. Ich fand überhaupt keinen Flow und sah bei den ersten beiden Boulder keine Lösung. Beim dritten war ich knapp vor dem Top, rutschte aber ab und kam kein zweites Mal mehr so weit. Boulder 4 war dann jedoch zu einfach, ich kletterte ihn im ersten Versuch. Jedoch hatte dies keinen Einfluss, da ihn fast alle kletterten. Beim letzten fühlte ich mich wieder genau so verloren wie in den ersten beiden. Ich war sehr enttäuscht über mich und wusste nicht wirklich wo ich diese Leistung einstufen sollte. Ich ahnte es, aber hoffte bis zum Schluss. Ich wurde 8. und verpasste das Finale. Das war dann schon eine grosse Niederlage… Nun musste ich es irgendwie schaffen dies zu verarbeiten, denn eine Woche später ging es weiter mit dem World Cup in Hachhioji (JPN). Es war nicht gerade eine einfache Aufgabe, denn die Quali in meiner Gruppe war wieder brutal hart. Ein Top reichte um das Halbfinale zu erreichen. Und genau da vermute ich, kam das fehlende Selbstvertrauen durch die SM ins Spiel. Bis zum letzten Boulder hatte ich noch kein Top und dies verhalf nicht gerade zu einem guten Gefühl. Jedoch fehlte für das letzte Top so wenig und hätte ich da nur ein wenig mehr an mich geglaubt, hätte ich bestimmt besser geklettert. Habe ich aber nicht und so schoss ich wiedermal knapp am Halbfinal vorbei und beendete den Wettkampf auf Platz 33. Das Resultat war für mich ganz ok, aber natürlich nicht das wofür ich nach Japan gekommen bin.

Nun ging es weiter mit dem Jetlag. Nach nur 4 Tagen, flogen wir von Japan weiter nach Amerika. Von der Zeitverschiebung Zürich-Tokio 8h, kamen nun noch Tokio-Vail 15h dazu. Ich hatte das Gefühl die Zeitumstellung ziemlich gut verarbeitet zu haben, natürlich war ich in den ersten Trainings in Amerika nicht super fit. Ich machte mir aber auch nicht zu viele Gedanken darüber… Ich fokussierte mich darauf, alle knappen Resultate der Vergangenheit in Motivation umzuwandeln. Und natürlich mit der guten Erinnerung vom letzten Jahr aus Vail. So ging ich mit erneuter zurechtgerückter Motivation in die Quali. Jedoch sollte es einfach nicht sein…bei Boulder 1 und 5 war ich am nächsten beim Top. Bei den anderen fühlte ich mich wieder weit davon entfernt. So holte ich wieder kein Top und eine grosse Enttäuschung machte sich breit. Rang 75 verhalf nicht gerade zu viel mehr. Ich wollte es zuerst nicht wahrhaben, jedoch kann ich nun im Nachhinein sagen, dass wohl doch alles Zusammengespielt hat. Immer wieder so knapp das Ziel zu verfehlen und sich danach immer wieder aufzuraffen und nach einem missglückten Wettkampf das Positive zu sehen, zehrt ziemlich an den mentalen Kräften. Obwohl man es versucht zu vergessen, bleibt es im Hinterkopf und das Selbstvertrauen schwindet viel schneller als sonst, wenn etwas nicht gleich funktioniert. So war ich fix und fertig als ich nach einer erneuten Zeitumstellung zurück in die Schweiz kam. Die erste Woche berührte ich keinen Griff mehr und brauchte einfach Abstand vom Ganzen. Danach analysierte ich alles mit meinem Trainer und wusste, dass nun eine Zeit auf mich zukam, die mir sicher gut tun wird. Denn der nächste World Cup in München ist erst in 2.5 Monaten und für diese Zeit hatte ich mit Beni 5 Wochen Bouldern in Südafrika gebucht. 5 Wochen am Fels klettern und vom ganzen Alltag abschalten. Klettern wann und wo man gerade Lust hat, war genau das was ich brauchte um meinen Kopf ordentlich durchzulüften.

Ich konnte es also kaum erwarten endlich das ganze hinter mir zu lassen und in die Kletterferien zu fliegen. In der zweiten Woche nach Vail, ging ich dann noch für ein paar Ausdauertrainings in meinen Trainingsraum. Denn am Wochenende fand noch die Schweizermeisterschaft in Bern, im Leadklettern statt. Dort ging ich auch an den Start, aber natürlich nicht mit allzu grossen Erwartungen ohne grosses Ausdauertraining. Ich fühlte mich ziemlich gut und legte eine solide erste Quali hin. Mit der zweiten Route war ich nicht zufrieden. Ich stürzte an der ersten Schlüsselstelle zusammen mit 9 anderen Athleten. Da wäre bestimmt mehr möglich gewesen auch ohne die Schuld dem Ausdauertraining zu geben! Als ich dann das Resultat sah, Rang 7 und 6 Athleten kommen in das Finale, musste ich beinahe schmunzeln…es wiederspiegelte genau meine Saison bis anhin und ich war wirklich froh am Montag nach Südafrika zu fliegen.

Nun stand der Reise nichts mehr im Wege und am Montag standen wir mit viel Gepäck am Flughafen Zürich und unser Abenteuer konnte beginnen!

Ich freue mich schon Euch auch darüber etwas zu berichten :)

Fotos zu den Wettkämpfen HIER

Resultat Swiss Cup Versoix HIER

Resultat Studioblocmaster (DE) HIER

Resultat World Cup Meiringen (SUI) HIER

Resultat World Cup Moskau (RUS) HIER

Resultat Schweizermeisterschaft Bouldern HIER

Resultat World Cup Hachioji (JPN) HIER

Resultat World Cup Vail (USA) HIER

Resultat Schweizermeisterschaft Lead Ostermundigen HIER

categories: klettern, bouldern, wettkaempfe, events, 2018

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Published on: 19 August 2018
Posted by: Kevin Heiniger