Aktueller Stand & Rückblick

Wieder geht ein Jahr zu Ende und es ist diese Zeit im Jahr wo ich zurückblicke, um danach frisch ins neue Jahr zu starten. Für mich war das Jahr 2018 definitiv ein Jahr mit vielen neuen Erfahrungen, die ich bis anhin noch nie so intensiv erlebt hatte. Diese Erfahrungen sind gemischt mit guten und schlechten Erlebnissen! Nach einer eher mässigen ersten Saisonhälfte an den Wettkämpfen, verletzte ich mich am linken Ringfinger. Danach war ich überzeugt, dies ist das mieseste Jahr überhaupt. Im Nachhinein sehe ich es nun etwas anders ;)

Es war ganz klar nicht meine beste Wettkampfsaison. Trotzdem war der Anfang eigentlich ziemlich gut. Mit dem Volumenbuster (Plauschwettkampf) in Basel gewann ich den ersten Wettkampf im Jahr 2018. Es folgte der erste internationale Vergleich am Studio Bloc Masters in Pfungstadt, dort belegte ich den 35. Rang. Noch nicht ganz wo ich sein wollte, aber für den ersten Wettkampf akzeptabel. Es folgte der erste Swiss Cup in Versoix. Ich konnte im Final Alle Boulder Top klettern, so kam es auf die Versuche an und ich wurde dritter. Auch dies war ein erfreulicher Wettkampf. Am ersten World Cup der Saison in Meiringen kletterte ich auf Rang 29. Nur eine Zone fehlte für das Halbfinale. Sicher eine kleine Enttäuschung, aber auch ein solides Resultat, welches viel versprach für die junge Saison. Alles ganz gute Rangierungen, jedoch wartete ich noch auf das richtig gute Resultat.

Was ich bekam, war aber dann genau das Gegenteil. An der Schweizermeisterschaft im Bouldern, erreichte ich nicht einmal das Finale. Dies war ein harter Schlag für mich und brachte mich ins zweifeln. Am nächsten World Cup in Japan verpasste ich das Halbfinale wieder knapp. Rang 33 war kein Misserfolg, jedoch fiel es mir schwer dies positiv zu sehen. Danach kam wieder ein Wettkampf an dem mir nichts gelingen wollte, am WC in Vail landete ich auf Rang 75. Für manchen vielleicht schwer nachzuvollziehen, warum ich nach dieser ersten Hälfte der Saison ziemlich am Boden war. Ich hatte immer wieder ziemlich akzeptable Rangierungen mit denen ich auch zufrieden sein sollte. Hier klettern immerhin die besten von der Welt und ich kletterte regelmässig um die Top 30 herum. Jedoch weiss ich, dass wenn es mir gut läuft auch ein Halbfinale (Top 20) möglich ist. Es fehlte mir einfach ein Resultat, dass mir ein richtig gutes Gefühl gab und ich darauf aufbauen konnte. Ich musste mir das gute Gefühl immer erarbeiten durch Gedanken wie: Es fehlte nur ein Top und dann wäre… Dies funktioniert über eine gewisse Zeit, folgt aber nie eine wirkliche Bestätigung, wird es immer schwerer. Und genau das passierte bei mir, gegen Ende der ersten Jahreshälfte war ich ziemlich in einem Loch und war froh für 5 Wochen nach Südafrika zu gehen. Ich wollte meinen Kopf durchlüften, den Spass am Klettern wiederfinden und durch Erfolgserlebnisse am Fels mein Selbstvertrauen für die zweite Saisonhälfte zurückgewinnen. Wie Ihr wisst, kam dann jedoch Alles anders…

Nun sind bereits 5 Monate vergangen seit meinem Ringbandriss. Viel Geduld und Training waren nötig, um nun an diesem Punkt zu stehen an dem ich mich Heute befinde. Ich bin jetzt wieder voll und ganz am Klettern, seit dieser Woche sogar ohne Tape am Finger. Ich kann wieder kleine Griffe aufstellen und sogar hangeln am Campusboard ist kein Problem mehr. Ich spüre den Finger noch bei fingerintensiven Trainings, aber es ist kein Schmerz, eher die Vernarbung die noch nicht so geschmeidig ist. Ich bin richtig happy wie die Rückkehr zur vollen Belastung funktioniert hat. Ich kann sagen, ich bin zurück und super motiviert. Was jetzt noch ein wichtiger Teil sein wird, ist der Mentale Bereich. Ich muss mir jetzt das Vertrauen wieder zurück erarbeiten, dass mein Finger hält und ich wieder Vollgas geben kann. Natürlich immer noch mit gewisser Vorsicht, aber ich brauche auch die Gewissheit, dass es unter voller Belastung funktioniert. Es ist noch eine kleine Unsicherheit, wenn ich kleine Griffe anspringe oder weit ziehen muss. Daran arbeite ich nun aber viel und bin zuversichtlich 100% startklar zu sein, sobald es mit den Wettkämpfen los geht.

Diese Verletzung hat mich viel gelernt. Ich lernte mich und meinen Körper besser kennen. Als ich die ersten 3-4 Wochen nicht klettern durfte, beschloss ich komplett eine Trainingspause einzulegen. Zuerst ärgerte ich mich über die Wettkämpfe, die ich nun verpasste. Den WC München, die WM in Innsbruck und die Militär WM in Moskau für jene ich mich Alle qualifiziert hatte, schmerzten schon ein wenig. Doch ich schaute nach vorne. Ich sah die Verletzung sofort Positiv und ich glaube dies war der Schlüssel zum letzten halben Jahr. Ich hatte viel Zeit um andere Dinge zu erledigen, die sonst immer zu kurz kamen. Auch um zu realisieren was genau ich gerne mache. Ich sah plötzlich wieder das schöne an meinem Sport und dem Training. Mir wurde bewusst warum ich genau das machen will. An den letzten Wettkämpfen war ich nicht mehr so überzeugt ob ich das wirklich noch so gerne mache wie ich dachte. Durch die viele Freizeit wurde mir aber ganz klar was ich noch erreichen will und dafür will ich kämpfen. Ein Feuer fing plötzlich an in mir zu brennen, welches ich vorher noch nie so intensiv gespürt hatte. Ich wollte die lange Zeit nutzen, um früh mit dem Aufbautraining zu beginnen. So begann ich im September bereits mit dem Aufbautraining. Zusammen mit meinem Trainer planten wir Monat für Monat. Ich achtete immer gut auf den Finger und passte das Training daran an. In den ersten zwei Monaten war ich viel im Kraftraum und am Joggen. Beim Klettern hielt ich mich sehr zurück und war nur Toprope an grossen Griffen unterwegs. So konnte ich an meinem Grundlagetraining arbeiten und ein gutes Fundament legen. Als die ersten 2 Monate vorbei waren, hatte ich eine Kontrolle beim Arzt. Nach zwei Monaten sollte das Ringband wieder zusammengewachsen sein. Ich hatte ein gutes Gefühl und dies wurde mir bestätigt, das Ringband war gut zusammengewachsen. Nun ging es darum das Ringband langsam aufzubauen und an die hohen Belastungen heranzuführen. Es war nicht immer einfach, manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich sicher mehr machen könnte. Jedoch lernte ich auf meinen Körper zu hören und es fiel mir immer leichter zu spüren welche Übungen jetzt schon gut sind und mit welchen ich noch warten muss. Es war auch schön zu sehen wie es jede Woche besser ging. Ich sah immer eine Steigerung und dies gab mir wiederum Motivation und ein gutes Gefühl. Anfangs Dezember startete ich sogar am Regiocup in Sumiswald um erstmals zu sehen wie ich mich an einem Wettkampf verhalte. Ich war sehr vorsichtig, war aber positiv überrascht wie gut es ging. In der Finalroute vergass ich den Finger komplett und konnte sogar Top klettern. Drei weitere Athleten kletterten auch Top und so war die Zeit entscheidend, leider war ich am langsamsten und wurde 4. Dies spielte für mich aber keine Rolle, ich war Happy den ersten kleinen Test problemlos überstanden zu haben. Einen Boulderwettkampf hätte ich aber noch nicht gewagt, da sind die Belastungen nochmals intensiver. So trainierte ich weiter mit immer grösserem Umfang an den Griffen. Es wurde eigentlich immer schwerer, desto besser es mit dem Finger ging. In Trainings mit Teamkollegen wollte ich auch immer dieselben Übungen/Boulder machen, da ich fast keine Beschwerden mehr hatte. Doch dort holte es mich dann oft wieder auf den Boden und ich musste lernen, dass es doch noch nicht ganz vorbei ist und ich noch immer Geduld brauche, auch wenn es schon fast wieder gut ist.

Zwei weitere Höhepunkte im Jahr 2018 wollte ich noch erwähnen. Zum einen meinen Trainingsraum. Im Frühling vollendete ich mein Projekt und seit diesem Herbst trainiere ich regelmässig dort. Es ist eine riesen Freude an der eigenen Wand zu trainieren und ich bereue es noch keine Minute die Arbeit auf mich genommen zu haben. Ich sehe es als grossen Gewinn und freue mich auf jedes Training das nun folgen wird! Zum zweiten meine Reise im Sommer nach Südafrika. Trotz dem eher weniger lustigen Ende war es einer der besten Klettertrips den ich je hatte. Die Felsen, die Landschaft und die ganze Stimmung werde ich nicht so schnell wieder vergessen!

Mittlerweile befinde ich mich in der 16. Trainingswoche. Normalerweise würden nach dieser Zeit bereits die Wettkämpfe wieder beginnen, doch ich habe jetzt nochmals gut 3 Monate Zeit um auf dem gelegtem Fundament aufzubauen. Momentan mache ich gerade eine eher gemütliche Woche in der Weihnachtszeit, welche auch einen Schnitt darstellen soll zum zweiten Teil meines Wintertrainings. Ich habe auch zurückgeschaut um aus den Fehlern zu lernen und versuche nun mein Training nochmals zu optimieren. Meine Motivation brennt immer noch sehr, wenn nicht sogar mehr als beim Trainingsstart. Ich freue mich riesig auf das nächste Jahr und bin gespannt was es mir bringen wird.

Auch Euch wünsche ich einen guten Start ins neue Jahr!!!

Happy New Year 2019

Ich nehme mir fürs neue Jahr vor mehr zu berichten über meine Trainings/Wettkämpfe etc. Über grössere Ereignisse oder Zusammenfassungen Hier auf meiner Webseite, aber vor allem findet Ihr mehr über mich, wenn Ihr mir auf Instagram folgt :)

Zum Schluss möchte ich noch Allen Danken die mich letztes Jahr in irgendeiner Hinsicht unterstützt haben. Ohne Euch wäre ich nicht dort wo ich jetzt bin und ich könnte meine Leidenschaft zum Klettern nicht im selben Umfang ausleben wie ich es Heute kann. Es braucht ein Team, dass harmoniert um performen zu können und ich bin unendlich dankbar ein solches hinter mir zu wissen!!! Meine grössten Unterstützer sind meine Eltern, ohne Sie wäre es definitiv nicht möglich. Auch ein grosses Merci geht an meinen Arbeitsgeber Peter Lüthi, ohne die gute Zusammenarbeit wäre es wohl schwer so viel zu trainieren und an die Wettkämpfe zu reisen. Auch mein Trainer Christian ist einer der wichtigsten Leute in meinem Team, ohne Ihn geht bei mir nichts. Dank meinen Sponsoren La Sportiva, Petzl und dem 300er Club Huttwil wird mir eine weitere Last abgenommen.

Dieses Jahr möchte ich noch speziell Dr. Schweizer der Uniklinik Balgrist danken, er stand mir vom ersten Tag meiner Verletzung an zur Seite und seine Erfahrung mit Kletterer hat auch mir geholfen wieder zurück zu kommen. Ausserdem möchte ich der «die Handpraxis» in Langenthal danken für die Begleitung zurück zur vollen Belastung. Auch guten Freunden und Kollegen will ich danken, denn nur in einem guten Umfeld kann man stark werden!

VIELEN DANK EUCH ALLEN!!!

Nun wünsche ich Euch eine gute Zeit über die freien Tage

Bis nächstes Jahr

Kevin

categories: training, 2018

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Published on: 31 Dezember 2018
Posted by: Kevin Heiniger